Eine Maklerin verlangte ein Honorar von fast 40 000 Franken für den Verkauf einer Wohnung. Das waren 6,4 Prozent des Verkaufspreises. Grund: Im Vertrag war eine Erfolgsbeteiligung für die Maklerin abgemacht.

 

Eine Maklerin verlangte ein Honorar von fast 40 000 Franken für den Verkauf einer Wohnung. Das waren 6,4 Prozent des Verkaufspreises. Grund: Im Vertrag war eine Erfolgsbeteiligung für die Maklerin abgemacht. ‰ Mehrerlös: Das ist ein Wort, das Beatrice Basler aus Schönenwerd SO am liebsten nie mehr hören würde. Denn dieser Begriff hat sie viele Tausend Franken gekostet. Begonnen hat die leidige Geschichte am 15. Dezember 2014. An diesem Tag unterschrieb Basler eine Maklervereinbarung, weil sie ihre Wohnung verkaufen wollte. Der Vertrag enthielt einen «Verhandlungspreis» von 600 000 Franken – und eine Mehrerlös-Regelung: Sollte das Objekt teurer verkauft werden, geht ein Drittel des Mehrerlöses an die Maklerin. So wurde der Verkauf richtig teuer für die Verkäuferin. Denn die Maklerin Jeannine Deyhle aus Zug fand schnell eine Person, die 659 000 Franken für die Wohnung zahlte. Und deshalb enthält nun die  Rechnung der Maklerin zwei fast gleich grosse Posten: Zum einen das Basishonorar von 19 770 Franken – das entspricht einer Verkaufsprovision von 3 Prozent auf die Gesamtsumme. Dazu weitere 19 666 Franken – ein Drittel des Mehrerlöses von 59 000 Franken. Zusammen ergibt das fast 40 000 Franken. Inklusive Mehrwertsteuer sind es 6,4 Prozent des Verkaufspreises. «Ich fühle mich benachteiligt», ärgert sich Basler. Herbert Stoop ist Präsident der Schweizerischen Maklerkammer, einer Unterabteilung des Schweizerischen Verbands der Immobilienwirtschaft (Svit). Er findet die Honorarforderung hoch. Basler ärgert sich nicht nur – sie vermutet auch, dass die Maklerin den Verhandlungspreis absichtlich tief angesetzt hat, um mit der Mehrerlös-Klausel gut zu verdienen. Verkäuferin Basler sagt auch, die Maklerin habe sie dazu gedrängt, den tiefen Vertragspreis von 600 000 Franken zu akzeptieren. Obwohl bekannt war, dass ein anderes Maklerbüro die Wohnung auf 690 000 Franken veranschlagt hatte. Maklerin Jeannine Deyhle widerspricht: «Frau Basler hat gewünscht, dass die Wohnung für 600 000 Franken verkauft wird.» Auffallend ist aber: Unmittelbar nach Vertragsunterzeichnung hat Maklerin Deyhle die Wohnung in den Immobilienportalen Immoscout24.ch und Homegate.ch ausgeschrieben – für 659 000 Franken. K-Geld hat auch mit der neuen Besitzerin der Wohnung gesprochen: «600 000 Franken waren klar zu wenig für diese Wohnung», sagt sie. Fazit: Bonusregelungen sind trügerisch. Auch Verkäuferin Basler sagt: «Ich weiss, dass ich die Klausel unterschrieben habe – und das war ein Fehler. Mir waren die teuren Konsequenzen dieser Bonusregelung zu wenig bewusst.» Solche Mehrerlös-Klauseln sind in der Maklerbranche ab und zu an

zutreffen. Anwalt Matthias Streiff aus Wetzikon ZH hat ein juristisches Sachbuch zum Maklervertrag publiziert. Er schreibt: «Das Bonushonorar kann ein Viertel, ein Drittel oder die Hälfte des Mehrerlöses ausmachen.» Im Maklervertrag muss realistischer Verkaufspreis stehen Streiff betont: «Entscheidend ist jedoch, dass im Vertrag ein realistischer Basispreis genannt wird.» Das heisst: Verkäufer sollten bei Bonusregelungen darauf achten, dass im Maklervertrag ein «korrekter» Verkaufspreis steht, der einigermassen dem aktuellen Marktwert entspricht. Sonst werden Verkäufer vom Makler über den Tisch gezogen. Das Kantonsgericht Zug musste sich im Dezember 2012 mit einem Fall befassen, bei dem der Makler ebenfalls eine hohe Provision erhielt, weil vereinbart war, dass er die Hälfte des Mehrerlöses einstreichen konnte. So kam er auf 4,17 Prozent der Verkaufssumme. Das Gericht bezeichnete diese 4,17  Prozent als «unverhältnismässig hoch» und kürzte die Provision «auf das übliche Mass von 3 Prozent». Ernst Meierhofer

 

Quelle: K-Geld 03/2016